Makedonien zum Zeitpunkt von Philipps Tod
Alexanders Vater Philipp II. hatte das vorher eher unbedeutende Makedonien,
das vor ihm zwischen den Adelsfamilien des Hoch- und des Tieflands zerstritten
war, zur stärksten Militärmacht der damaligen Zeit gemacht. Er hatte
Thessalien und Thrakien erobert und alle griechischen Stadtstaaten mit Ausnahme
Spartas in ein Bündnis unter seiner Führung gezwungen (Korinthischer
Bund). Schon an diesen Kriegszügen war Alexander beteiligt, etwa in der
Schlacht von Chaironeia (338 v. Chr.), in der die griechischen Städte unter
Führung Athens unterworfen wurden. Die makedonische Phalanx erwies sich
dabei als ein wichtiges Element für den militärischen Erfolg, zentral
war jedoch die Rolle der Reiterei. Es ist unbestreitbar, dass die Erfolge, die
Alexander später feiern konnte, zu einem nicht unerheblichen Teil auf die
Militärreformen seines Vaters zurückgehen. Philipp holte auch den
griechischen Philosophen Aristoteles in die makedonische Hauptstadt Pella, damit
er Alexander und die Gleichaltrigen in Philosophie, Kunst und Mathematik unterrichten
konnte. Der Einfluss des Aristoteles sollte wohl nicht zu hoch veranschlagt
werden, doch sicher war Alexander sehr gebildet; seine Abschrift der Ilias hütete
er wie einen Schatz und brachte der griechischen Kultur große Bewunderung
entgegen.
Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war keineswegs frei von Konflikten,
gerade in Hinsicht auf die Liebschaften des Vaters. Philipp hatte 337 v. Chr.
Kleopatra, die Nichte seines Generals Attalos, ebenfalls zu seiner Frau genommen.
Während eines Banketts soll Attalos Öl ins Feuer gegossen und gesagt
haben, er hoffe, dass Philipp nun einen legitimen Erben erhalten würde.
Alexander sei daraufhin wutentbrannt aufgefahren und habe Attalos angeschrien:
Soll das heißen, ich sei ein Bastard?
Alexander warf einen Becher auf Attalos und wollte auf ihn losgehen. Auch Philipp
erhob sich und zog sein Schwert, jedoch nicht um Alexander in Schutz zu nehmen,
sondern um Attalos zu helfen. Da aber Philipp, wie so oft, bereits hoffnungslos
betrunken war, stolperte er und fiel hin. Alexander soll ihn höhnisch angeblickt
haben und sich den versammelten Makedonen zugewandt haben:
Seht ihn euch an, meine Herren. Dieser Mann will euch von Europa nach Asien
führen, aber er scheitert schon bei dem Versuch, von einem Liegebett zum
nächsten zu gehen. (Plutarch, Alexander, 9)
Da Alexander befürchtete, von der Thronfolge ausgeschlossen zu werden,
floh er schließlich mit seiner Mutter über Epeiros nach Illyrien.
Obwohl seine Thronfolge weiterhin unsicher war, kehrte er jedoch nach einem
halben Jahr wieder nach Pella zurück.
Philipp wurde im Sommer 336 v. Chr. in der alten Hauptstadt Aigai (auch bekannt
als Vergina) während der Hochzeit seiner Tochter Kleopatra mit dem König
Alexander von Epeiros von dem Leibgardisten Pausanias ermordet. Das Motiv des
Täters war freilich offensichtlich: Pausanias war ein Geliebter Philipps
gewesen und war von Attalos beleidigt worden; dabei fühlte er sich von
Philipp ungerecht behandelt. Es gab bald darauf Gerüchte, dass Alexander
an der Tat beteiligt gewesen war. Die Hintergründe von Philipps Ermordung
und inwieweit Olympias und Alexander wirklich darin verwickelt waren, sind jedoch
weitgehend spekulativ, auch wenn eine Mitwisserschaft nicht ausgeschlossen werden
kann.
Regierungsübernahme und Sicherung der Macht (336–335 v. Chr.)
Im Jahre 336 v. Chr. folgte der zwanzigjährige Alexander seinem Vater auf
den Thron. Dass es keinen nennenswerten Widerstand gab, ist offenbar Antipater
zu verdanken, der das Heer dazu bewegte, Alexander als König anzuerkennen.
Schon in den ersten Tagen ließ er Mitglieder des Hofstaats exekutieren,
die das Gerücht streuten, Alexander habe etwas mit der Ermordung seines
Vaters zu tun gehabt. Als nächstes wandte er sich seinem Erzfeind Attalos
zu, der sich auf der Flucht befand, jedoch von seinem Verwandten (Stiefvater)
Parmenion getötet wurde. Sowohl Antipater als auch Parmenion standen wegen
ihrer Taten lange in Alexanders besonderer Gunst.
Noch 336 ließ sich Alexander in Korinth die Gefolgschaft der griechischen
Städte versichern. Die Völker in Thrakien und Illyrien versuchten
jedoch, die Situation zu nutzen und die makedonische Herrschaft abzuwerfen.
Alexander zog 335 v. Chr. mit 15.000 Mann nach Norden ins heutige Bulgarien
und Rumänien, überquerte die Donau und warf die thrakische Revolte
nieder. Anschließend verfuhr er ebenso mit den Illyrern.
Während Alexander im Norden kämpfte, beschlossen die Griechen im Süden,
dass dies der Zeitpunkt sei, sich von Makedonien zu befreien. Ihr Wortführer
war Demosthenes, der die Griechen davon zu überzeugen versuchte, dass Alexander
in Illyrien gefallen und Makedonien herrscherlos sei. Als erste erhoben sich
die Einwohner Thebens und vertrieben die makedonischen Besatzungssoldaten aus
der Stadt.
Alexander reagierte augenblicklich und marschierte direkt von seinem Illyrienfeldzug
südwärts nach Theben. Die Phalanx seines Generals Perdikkas eroberte
die Stadt, wo Alexander zur Bestrafung sämtliche Gebäude mit Ausnahme
der Tempel und des Wohnhauses des Dichters Pindar zerstören ließ.
Sechstausend Einwohner wurden getötet, die übrigen 30.000 wurden in
die Sklaverei verkauft. Die Stadt Theben existierte nicht mehr und sollte erst
zwanzig Jahre später wieder aufgebaut werden, aber nie mehr zur alten Bedeutung
zurückfinden.
Abgeschreckt von Alexanders Strafgericht brachen die anderen Städte Griechenlands
ihre Revolte ab und ergaben sich. In Korinth ließ sich Alexander von neuem
ihre Gefolgschaft versichern und verschonte sie daraufhin, da er sie als Verbündete
in seinem Persienfeldzug brauchte.
Beginn des Persienfeldzugs (334–333 v. Chr.)
Der Feldzug Alexanders
Das Perserreich war zu Alexanders Zeit die größte Territorialmacht
der Erde. Die Perserkönige hatten in den zurückliegenden Jahrhunderten
Palästina, Mesopotamien, Ägypten und Anatolien erobert und mehrere
Versuche unternommen, Griechenland zu unterwerfen (siehe Perserkriege). Als
sich Alexander 334 v. Chr. dem Perserreich zuwandte, wurde dies von Dareios
III. aus dem Haus der Achämeniden beherrscht. Schon Alexanders Vater Philipp
hatte Pläne für einen Angriff auf die Perser geschmiedet, angeblich
um Rache für die Invasion Griechenlands rund 150 Jahre zuvor zu nehmen,
wobei es sich dabei eher um Propaganda handelte und machtpolitische Gründe
den Ausschlag gegeben haben dürften.[3] Eine Armee unter Parmenion, einem
der fähigsten makedonischen Generäle, war bereits über den Hellespont
nach Asien gegangen, wurde von den Persern aber zurückgeschlagen. Alexander
überschritt den Hellespont im Mai 334 mit einer Armee aus etwa 35.000 Makedonen
und Griechen, um in die Kämpfe einzugreifen, während rund 12.000 Makedonen
unter Antipater Makedonien und Griechenland sichern sollten.
In der Schlacht am Granikos kam es zur ersten Begegnung mit den persischen Streitkräften
unter der Führung des Griechen Memnon, einem Söldner aus Rhodos. Durch
Alexanders Sieg dort war die Befreiung der Städte Ioniens möglich
geworden, was Alexander als Motivation für seinen Feldzug genannt hatte.
Nach dem Sieg ernannte Alexander jedoch Statthalter für die Gebiete und
zeigte damit, dass er die Städte nicht befreien, sondern als makedonisches
Territorium erobern wollte.
In Lydien zog Alexander kampflos in Sardes ein. Er weihte den örtlichen
Tempel dem Zeus und nutzte die Reichtümer der Stadt, um seine Männer
zu bezahlen. Dann zog er weiter nach Milet, der größten Stadt an
der Westküste Kleinasiens. Der hiesige Satrap kapitulierte als einziger
nicht, da ihm die Ankunft einer persischen Hilfsflotte aus 400 Schiffen versprochen
worden war. Da auch Alexander von dieser Flotte gehört hatte, wies er Nikanor
an, einen Bruder Parmenions, mit 160 Schiffen die Einfahrt zur Bucht von Milet
zu versperren. Hiernach gelang ihm die Einnahme Milets.
Die Perser, die immer noch unter dem Befehl Memnons standen (allerdings hatten
Unstimmigkeiten im persischen Oberkommando einen effektiven Widerstand erschwert),
sammelten sich nun in Halikarnassos, der Hauptstadt Kariens, und bereiteten
die Stadt auf eine Belagerung vor. Die Kämpfe waren für Alexander
sehr verlustreich. Zwischenzeitlich handelte er sogar einen Waffenstillstand
aus, um die makedonischen Gefallenen zu bergen - etwas, was er nie zuvor getan
hatte und nie wieder tun sollte. Als er letztlich die Mauern durchbrach, entkam
Memnon mit dem Großteil seiner Soldaten auf Schiffen aus der fallenden
Stadt. Indem Alexander der karischen Satrapentochter Ada die Herrschaft über
Halikarnassos versprach, sicherte er sich das Bündnis mit dem Volk Kariens.
Manche Quellen sprechen sogar davon, dass Ada Alexander adoptierte. Hier zeigte
Alexander erstmals seine Taktik, Großzügigkeit gegenüber besiegten
Völkern walten zu lassen, um sie nicht gegen die Makedonier aufzubringen.
Das ursprüngliche Ziel des Persienfeldzugs, die Eroberung der Westküste
Kleinasiens, war hiermit geschafft. Dennoch beschloss Alexander, die Expedition
fortzusetzen. Entlang der Küsten Lykiens und Pamphyliens traf die makedonisch-griechische
Streitmacht auf keinerlei nennenswerten Widerstand. Eine Stadt nach der anderen
ergab sich kampflos. Alexander ernannte seinen Freund Nearchos zum Statthalter
von Lykien und Pamphylien.
Im Winter 334/333 v. Chr. eroberte Alexander das anatolische Binnenland. Er
stieß vom Süden vor, sein General Parmenion von Sardes im Westen.
Die beiden Armeen trafen sich in Gordion, der Hauptstadt der persischen Satrapie
Phrygien. Hier soll Alexander der Große der Legende nach den Gordischen
Knoten mit seinem Schwert durchschlagen haben, über den ein Orakel prophezeit
hatte, nur derjenige, der diesen Knoten löse, könne die Herrschaft
über Asien erringen. Es gibt aber auch die Version, dass Alexander mit
der Breitseite des Schwertes auf die Wagendeichsel schlug, so dass der Druck
den Knoten auseinander riss.
Die Makedonier blieben einige Zeit in Gordion, um Nachschub an Männern
und die Einfuhr der Ernte abzuwarten. Während dieser Zeit starb Memnon,
der Befehlshaber der persischen Armee, im August 333 durch Krankheit. Zu seinem
Nachfolger wurde Pharnabazos ernannt, und da sich die Perser bereits wieder
formierten, brach Alexander erneut auf. In Gordion ließ er seinen General
Antigonos als Statthalter Phrygiens zurück, dem er die Aufgabe übertrug,
den Norden Anatoliens zu unterwerfen und die Nachschubwege zu sichern.
Durch Kappadokien marschierte Alexanders Heer nach Kilikien. Dort nahm er nach
einem kurzen Gefecht die Hauptstadt Tarsos ein, wo er bis zum Oktober blieb.
Die Schlacht bei Issos (333 v. Chr.)
In Tarsos erfuhr Alexander, dass Dareios III. die Bedrohung endlich ernst genug
nahm, um selbst ein Heer aus dem persischen Kernland nach Westen zu führen.
Plutarch zufolge war dieses persische Heer 600.000 Mann stark – eine Angabe,
die sicherlich maßlos übertrieben ist: Der berühmte Althistoriker
Karl Julius Beloch, der den Quellen immer sehr skeptisch gegenüber stand,
schätzte die Zahl der Perser auf höchstens 100.000, die Stärke
des makedonischen Heeres auf ca. 25–30.000 Mann.[4]
Dareios gelang es, Alexanders Armee im Norden zu umgehen und Issos zu besetzen,
wodurch er die Nachschubwege blockierte. Gleichzeitig metzelte Dareios auch
die in Issos zurückgebliebenen Verwundeten nieder. In der Schlacht bei
Issos trafen die Armeen im Kampf aufeinander, bis Dareios aufgrund der großen
Verluste der Perser vom Schlachtfeld floh. Die Makedonen beklagten 450 Tote
und 4000 Verwundete. Unbekannt sind die persischen Verluste, sie dürften
aber weit höher gewesen sein. Insgesamt hatte die persische Führung
während der Schlacht mehrere Fehler begangen, angefangen bei der Aufstellung
- man hatte auf die Umgruppierungen Alexanders nicht reagiert. Auch als Symbol
kam der Schlacht große Bedeutung zu: Dareios hatte sich seinem Gegner
als nicht gewachsen gezeigt.
Nach der Schlacht verfolgte Parmenion den fliehenden Perserkönig bis nach
Damaskus. Dort überraschte er die Stadt, nahm sie ein und erbeutete ihren
Reichtum. Auf 7000 Lasttieren brachte er Gold und Silber westwärts nach
Issos, um es an Alexanders Männer zu verteilen. Zu den Gefangenen, die
in die Hände der Makedonen fielen, gehörten die Mutter des Dareios,
seine Frau Stateira, ein fünfjähriger Sohn und zwei Töchter.
Alexander behandelte sie mit Respekt. Außerdem wurde Barsine gefangen
genommen, die Witwe des Memnon. Es kam zu einer Liebesaffäre zwischen Alexander
und Barsine, aus der später ein Sohn hervorgehen sollte, der Herakles genannt
wurde.
Dareios hatte inzwischen den Euphrat erreicht und bat Alexander um den Abschluss
eines Freundschaftsvertrags und die Freilassung seiner Familie. Alexander antwortete,
Dareios solle zu ihm kommen und Alexander als „König von Asien“
anerkennen, dann würde seine Bitte erfüllt; andernfalls solle er sich
auf den Kampf vorbereiten. Alexander verfolgte offenbar spätestens jetzt
weiterreichende Pläne als noch manch altmakedonisch gesinnter General in
seinem Heer.
Nach der Schlacht gründete Alexander die erste Stadt in Asien, die er nach
sich benannte: Alexandretta, das heutige Iskenderun. Hier siedelte er die 4000
Verwundeten der Schlacht an.
Die Eroberung Palästinas. Die Erstürmung von Tyros und das zweite
Angebot des Dareios (333–332 v. Chr.)
Nach der Schlacht bei Issos blieben Alexander zwei Möglichkeiten: Dareios
III. ins persische Kernland zu verfolgnizien und Ägypten zu erobern.
In Phnder auf Widerstand. Zwar hatte Tyros Verhandlungen angeboten, Alexander
aber das Recht verweigert, aönizien eroberte Aen oder die
unter persischer Herrschaft stehenden Mittelmeerküsten zu erobern. Unter
dem Kommando des Pharnabazos operierte weiterhin die persische Flotte mit 400
Schiffen, die jederzeit angreifen konnte, wenn Alexanders Armee weitab im Landesinneren
wäre. Alexander beschloss daher, die persischen Häfen in Phölexander
ohne Gegenwehr die Häfen Tripolis, Byblos, Beirut und Sidon. Allein in
Tyros stieß Alexam Tempel des Stadtgottes Melkart zu opfern, der
von den Griechen mit Herakles gleichgesetzt wurde. Da Alexander sich beleidigt
fühlte und auf diesem Recht bestand, kam es zur Belagerung der Stadt, die
auf einer Insel lag und zu allen Seiten vom Meer umgeben war.
Die Belagerung von Tyros begann im Januar 332 v. Chr. und dauerte sechs Monate,
bis eine Flotte aus makedonischen und verbündeten phönizischen Schiffen
den Widerstand brechen konnte. In den Kämpfen in den Straßen von
Tyros kamen noch einmal mehrere hundert makedonische Soldaten ums Leben. In
seinem Zorn ließ Alexander alle männlichen Einwohner töten;
die letzten 2000 Überlebenden ließ er an Kreuze entlang der Küste
nageln. Frauen und Kinder von Tyros wurden in die Sklaverei verkauft.
Dareios sandte Alexander eine zweite Botschaft, in der er ihm alle Länder
westlich des Euphrat, 10.000 Talente Gold, die Hand einer seiner Töchter
und die Anerkennung Alexanders als gleichrangigen Großkönig anbot.
Im Austausch dafür sollte Alexander die Geiseln und ein Ende des Feldzuges
versprechen. Nachdem die makedonischen Generäle von diesem Angebot erfahren
hatten, soll Parmenion gesagt haben:
„Wäre ich Alexander, würde ich akzeptieren.“ Alexander
habe geantwortet: „Das würde ich auch, wäre ich Parmenion.“
Alexander ließ Dareios mitteilen, er, Alexander, werde sich nehmen, was
er wollte; wenn Dareios etwas von ihm erbitten wolle, solle er zu ihm kommen
(Arrian, Anabasis, 2,25).
Mit dem Fall von Tyros waren die Heimathäfen aller persischen Schiffe in
makedonischer Hand. Die Hafenstädte riefen die Schiffe zurück und
beraubten die Perser damit ihrer Flotte. Vom Meer her drohte Alexander keine
Gefahr mehr. Mit dem Antwortschreiben an Dareios wurde jedoch auch dem letzten
altmakedonisch gesinnten Offizier klar, dass die Eroberung des östlichen
Mittelmeerraums nur eine Etappe für Alexander war: Er wollte an das Erbe
der Achaimeniden anknüpfen und das gesamte Perserreich erobern - und eben
nicht nur einen Teil. Man mag sich freilich die Frage stellen, ob nicht ein
abgerundetes makedonisches Reich im östlichen Mittelmeerraum längeren
Bestand gehabt hätte; daher kommt der Entscheidung vor Tyros, eben dies
nicht anzustreben, eine durchaus nicht unbedeutende Rolle in der Geschichte
zu.
Alexander zog nun weiter südwärts und stieß in Gaza auf die
nächste Stadt, die ihm Widerstand leistete. Auch hier dauerte die Belagerung
drei Monate und endete mit der Ermordung der gesamten männlichen Bevölkerung.
Den persischen Kommandanten der Stadt, einen Mann namens Batis, ließ Alexander
lebend an einen Streitwagen binden und zu Tode schleifen, eine Imitation des
Verhaltens des Achills vor Troja.
Angeblich soll Alexander in Palästina auch Jerusalem besucht haben, doch
möglicherweise ist auch dies nur eine Legende. Wahrscheinlich ist, dass
die jüdische Bevölkerung ihn unterstützt hat und jüdische
Söldner seinen Ägyptenfeldzug begleiteten.
Die Eroberung Ägyptens (332–331 v. Chr.)
Ägyptische Namen von Alexander dem Großen
Eigenname
Mek-kemet
(mk-km.t)
Beschützer Ägyptens
Ägypten war für Alexander eine leichte Beute. Schon in Pelusium (heute
Port Said) kam ihm der persische Satrap Mazakes entgegen und erklärte die
Kapitulation. Es gab nun keine militärischen Gründe mehr, die Armee
nach Ägypten zu führen, wohl aber symbolische. Die Makedonen zogen
nach Heliopolis, wo Alexander sich zum Pharao von Ägypten und zum Sohn
des Amun-Re ausrufen ließ. Von hier aus ging Alexander weiter nach Memphis.
Antike Quellen berichten, dass die Makedonier überall auf ihrem Weg als
Befreier gefeiert worden seien. Es ist gut möglich, dass dem tatsächlich
so war, denn Ägypten hatte erst elf Jahre zuvor seine Unabhängigkeit
an Persien verloren. Um die Ägypter für sich zu gewinnen, ließ
Alexander fast alle Regierungsposten mit Einheimischen besetzen.
Alexander zog am Nil entlang nordwärts und gründete im Januar 331
v. Chr. an der Mittelmeerküste ein weiteres Alexandria, die bedeutendste
all seiner Stadtgründungen.
Im März zog Alexander 400 km westwärts durch die Wüste zum Orakel
von Siwa, welches dem Gott Amun geweiht war. Was er dort an Botschaften empfing,
ist unbekannt. Antike Quellen berichten, Alexander habe dort erfahren, dass
er der Sohn des Zeus sei; so soll ihn der oberste Priester als „Sohn des
Zeus“ begrüßt haben. In Wahrheit allerdings hatte Alexander
sich schon vorher als Sohn des Zeus bezeichnet. Von Siwa kehrte Alexander nach
Memphis zurück, verweilte dort einige Wochen und führte seine Truppen
dann zurück nach Palästina.
Die Eroberung des persischen Kernlands (331–330 v. Chr.)
Alexander der Große und
die Familie des Perserkönigs Dareios III. (Kupferstich, Frankreich, 17.
Jh.)
Im Mai 331 kehrte Alexander nach Tyros zurück. Er befehligte hier den Wiederaufbau
der Stadt, die er mit befreundeten Phöniziern wieder besiedeln ließ.
15.000 zusätzliche Soldaten waren im Frühling aus Makedonien entsandt
worden, und bei Tyros trafen sie im Juli mit Alexander zusammen. Seine Armee
bestand nun aus 40.000 Fußsoldaten und 7000 Reitern.
Alexander zog ostwärts durch Syrien und überquerte den Euphrat. Sein
Plan mag gewesen sein, von hier aus südwärts nach Babylon zu ziehen,
doch eine Armee unter dem persischen Satrapen Mazaeus verstellte den Weg. Alexander
vermied die Schlacht, die ihn viele Männer gekostet hätte, und zog
stattdessen nordwärts. Derweil zog Dareios selbst eine neue große
Streitmacht in Assyrien zusammen, und dieses Heer war es, das Alexander treffen
wollte. Im September 331 überquerte das Heer den Tigris.
Am 20. September, unmittelbar vor der Schlacht, kam es zu einer Mondfinsternis,
die die Perser verunsicherte und von ihnen als schlechtes Omen gedeutet wurde.
Das Heer Alexanders lagerte 11 km von der persischen Armee entfernt bei einem
Dorf namens Gaugamela, weshalb die folgende Schlacht als Schlacht von Gaugamela
bekannt wurde. Am 1. Oktober kam es zum Kampf. Auch wenn das Heer des Dareios
an Zahl weit überlegen war, siegte wieder Alexander; er vermochte aber
nicht Dareios zu töten oder gefangen zu nehmen. Obwohl der König wieder
entkommen war, war seine Armee praktisch vernichtet. Alexander hatte nun die
Herrschaft über die Satrapie Babylonien gewonnen und konnte ungehindert
ins reiche Babylon einziehen. Mazaeus, der sich nach der Schlacht von Gaugamela
nach Babylon zurückgezogen hatte, übergab die Stadt an Alexander,
der sie durch das Ischtar-Tor betrat und sich zum „König von Asien“
ausrufen ließ.
Während die Griechen die Völker Asiens zuvor als Barbaren verachtet
hatten, sah Alexander sie mit anderen Augen. Fasziniert von der Pracht Babylons
befahl er die Schonung aller Bauwerke. Alexander verzieh dem persischen Satrapen
Mazaeus und ernannte ihn sogar zu seinem Statthalter in Babylon.
Nach fünfwöchigem Aufenthalt zog Alexander weiter ostwärts, um
die großen persischen Städte im Kernland anzugreifen. Susa ergab
sich kampflos. Im Januar 330 v. Chr. erreichten die Makedonen die persische
Hauptstadt Persepolis. Zahlreiche Einwohner begingen vor seinem Einzug Selbstmord
oder flohen. Die ältere Meinung, Alexander habe die Stadt plündern
und den Königspalast niederbrennen lassen, ist inzwischen von der jüngeren
Quellenkritik relativiert worden. Archäologische Funde bestätigen,
dass lediglich die Gebäude, die Xerxes I. errichtet hatte, brannten, was
die Darstellung Arrians wahrscheinlicher macht.